Die etwas weniger abstrakte Betrachtungs- und Sichtweise der cohaerentischen Geometrie führt, wie oben schon beschrieben, zu etwas anderen Einsichten, was auch in Bildern und Videos sichtbar wird.
Es gibt kaum klassische Konstruktionen, die aufzeigen, wie voneinander abhängigen Punkte auf zwei Kegelschnittkurven, z.B. Kreis und quadratische Parabel oder Keis und Hyperbel, zusammenhängen? Wie sehen die nachvollziehbaren Verbindungssequenzen von Kreis- und Gerade-Objekte konkret aus? Dies zeigen die folgenden Konstruktionsbilder und Videos. Die besagten, bislang nicht betrachtete geometrisch zusammenhängende Abhängigkeiten werden besonders gut durch Videos mit im Zugmodus bewegten Konstruktionen nachvollziehbar.
Pointiertes Vorwort
Die klassischen „Unmöglichkeiten“ beruhen auf einem alten geometrischen Dogma
Die Unlösbarkeiten der antiken Geometrie sind kein Ausdruck räumlicher Grenzen, sondern Folgen eines historischen Dogmas. Es schränkt die Nutzung konstruierbarer Kurven nur auf Gerade und Kreis ein
und schließt alle konstruierbare Grenzprozesse aus. Erst dieses künstliche Doppelverbot erzeugt die bekannten „Unmöglichkeiten“.
Werden alle Kurven gleichberechtigt als erzeugbare geometrische Objekte anerkannt, lösen sich die drei klassischen Probleme rein geometrisch auf, wie die cohaerentische Geometrie zeigt. Praktisch zeigt sich das besonders an der konstruierten Ermittlung des Kreisverhältnisses und der Kreiszahl. Sie laufen für die cohaerentische und die klassiche euklididsche Geometrie unerschiedlich ab.
Cohaerentische Geometrie verletzt zwar das formale Regelwerk Euklids, aber nicht seine konstruktive Denkweise.
Wissenschaftlich formuliert
Zur willkürlichen Einschränkung auf Gerade und Kreis in der klassischen Geometrie und ihren Folgen für „Unmöglichkeitsbeweise“
Die klassischen Unmöglichkeitsbeweise zu den drei berühmten Problemen der Antike "– Winkeldreiteilung, Quadratur des Kreises und Verdopplung des Würfels –" beruhen nicht auf der grundlegenden Struktur geometrischer Objekte, sondern auf bewusst gewählten Einschränkungen. Im euklidischen Zirkel-und-Lineal-Paradigma werden die Kurven bewußt auf Gerade- und Kreis-Objekte eingeschränkt; alle anderen Kurven werden ausgeschlossen, selbst dann, wenn all ihre Punkte vom Prizip her mit Geraden- und Kreisfolgen konstruiert werden können.
Diese Ungleichbehandlung ist nicht geometrisch begründet. Eine Gerade ist analytisch ebenso eine Kurve wie eine Parabel oder Spirale und unterscheidet sich nicht durch ontologische Einfachheit, sondern allein durch historische Privilegierung und Dogmatisierung. Die klassische Geometrie nimmt Gerade und Kreis als primitive Entitäten an und verzichtet vollständig auf die Analyse ihrer Entstehungsprozesse. Andere Kurven dürfen dogmatisch nicht konstruktiv erzeugt werden und wenn sie doch erzeugt werden können, dürfen sie dennoch nicht genutzt werden, da ihr Einsatz systematisch ausgeschlossen ist. Eine vergleichbare dogmatische Ausschlussregel gilt für klassische, konstruierbare Grenzprozesse mit natürlichen geoemtrischen Rechengrößen, die keine Zahlen sind. Ein hierzu gefundener cohaerentisch konstruierter Grenzprozeß zur rein geometrischen Ermittlung des Kreisverhältnissses π macht den Unterschied zur klassischen Ermittlung der Kreiszahl πZahl deutlich. Im cohaerentischen Fall folgt die Plausibilität der reinen geomtrischen Kohärenzeinsicht: "Die Länge des Kreisbogen bleibt beim Schritt um Schritt Aufbiegen jeweils erhalten. Dazu wird jeweils der Radius verdoppelt und der Bogenwinkel bzw. der Winkel der Bogensehne zur Koordinatenachse.halbiert" Im klassischen Fall der Kreiszahl-Ermittlung wird die reine geometrische Kohärenzeinsicht verlassen und dann arithmetisch-algebraisch weiter gerechnet. Als Ergebnis gibt es nun einen Zahl-Erzeugungsprozeß mit Zwischenergebnissen zu der anwachsenden Vieleckzahl. Dieser Gesamtprozeß ist keine primäre Geometrie mehr.
Die bekannten Unmöglichkeitsbeweise zur Kreisquadratur gelten daher nicht absolut, sondern nur für die beiden gemachten Einschränkungen. Werden geometrische Objekte und Prozesse einheitlich behandelt, indem man die künstlichen Beschränkungen ignoriert und damit aufhebt, wird zu einem primär gegebenen Grundlagen-Sachverhalt zurück gekehrt.. Genau hier setzt die cohaerentische Geometrie an. Sie findet rein geometrische Lösungsverfahren für alle drei Aufgaben. Sie erkennt, nicht eine Zahl ist die Lösung, sondern ein exakter geometrischer Konstruktionsprozeß, der dem wahren Ergebnis (Grenzpunkt /Grenzwert) beliebig genau nahe kommen kann.
Die sogenannte geometrische „Unmöglichkeit“ ist folglich ein artefaktischer Effekt des historisch gewählten Dogmas und nicht eine Eigenschaft der zugrunde liegenden geometrischen Realität.
Die cohaerentische Geometrie ordnet alle geometrischen Objekte einem gemeinsamen Entstehungsprinzip zu und hebt die historisch und methodisch eingeführten Einschränkungen auf. Dadurch entsteht ein kontinuierlich kohärentes geometrisches Modell. Dieses beschreibt die Prozesse der Kurvenentstehung und Kurveninteraktion symmetrisch und nachvollziehbar. Cohaerentische Geometrie verletzt zwar das formale Regelwerk Euklids, aber nicht seine konstruktive Denkweise.
Didaktisch leicht zugängliche Darstellung für Lernende
Warum die klassischen „Unmöglichkeiten“ durch ein altes Dogma entstehen
In der Schule heißt es, die drei berühmten Probleme der Antike – einen Winkel zu dritteln, einen Würfel zu verdoppeln oder einen Kreis zu quadrieren – seien unmöglich. Das stimmt, aber nur unter ganz bestimmten Regeln, die aus der Antike übernommen wurden. Dieses Regelwerk sagt: Man darf ausschließlich Gerade und Kreis benutzen. Alle anderen Kurven und elementar konstruierbaren Grenzprozesse sind ausgeschlossen.
Dieses Verbot ist nicht naturgegeben, sondern ein historisches Dogma. Gerade und Kreise gelten darin als perfekte Grundformen, deren Entstehung nicht hinterfragt wird. Andere Kurven – selbst wenn ihre Punkte sich aus Geraden- und Kreisfolgen konstruieren lassen – dürfen gar nicht erst auftreten und und damit auch nicht genutzt werden. Dadurch entsteht eine künstliche Ungleichbehandlung: Was nicht ins Dogma passt, wird nicht verwendet.
Genau wegen dieser doppelten Einschränkung erscheinen die drei klassischen Aufgaben „unmöglich“. Wenn man das Dogma aufgibt und alle Kurven gleich behandelt, ändert sich die Grunflagensituation grundlegend. Die bislang dazu angebotenen Konstruktionslösungen, wie die archimedessche Kreisquaratur, sind keine durchgehend rein schrittweise konstruierte geometrischen Lösungem. Ihre erdachten "Neusis-Bewegungen" bleiben Gedankenexperimente und umfassen keine konstruierten Schritte.
Die cohaerentische Geometrie verfolgt hier diesen Ansatz weiter und wobei jede Kurve als erzeugbares Objekt gilt. Dadurch wird Geometrie wieder logisch, anschaulich und durchgängig anhand der Konstruktion verständlich. Cohaerentische Geometrie verletzt zwar das formale Regelwerk Euklids, aber nicht seine konstruktive Denkweise.
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1.9. Mehr zur Einleitung "cohaerentische Geometrie"
1.9.1 Was ist cohaerentische Geometrie?
Die cohaerentische Geometrie ist kein etablierter Begriff in der Mathematik, sondern ein impulsgebender Ansatz, der dazu einlädt, geometrisches Denken neu zu überdenken. Der Begriff "cohaerentisch" dient zur Abgrenzung gegenüber "klassischer" und "kohärenter" Geometrie. Diese Publikation ist keine fertige Theorie, sondern ein impulsgebender Denkanstoß:
1.9.1.1. Motive für eine cohaerentische Geometrie
In aller Kürze:
Die cohaerentische Geometrie fragt: Wie sieht Geometrie aus, wenn die zwei wesentlichen Einschränkungen der klassichen Geometrie
- auf Gerade- und Kreis-Kurven sowie
- das Denkverbot zu klassisch konstruierten Grenzprozessen mit Rechengrößen, die keine Zahlen sind,
weglassen werden?
Etwas ausführlicher
Die folgenden zentralen Motive (also Beweggründe, Ausgangsprobleme und Intentionen) beschreiben, wie es zur Entwicklung cohaerentischer Geometrie kommt. Wesentliche Beweggründe für die
cohaerentische Geometrie gehen aus der Kritik am Primat der Zahl & Algebra hervor. Die klassische (euklidisch / algebraisch gefasste) Geometrie basiert auf der Annahme, dass geometrische Objekte und Relationen über Zahlen, Maße und algebraische Strukturen exakt darstellbar sein müssen. Dieser „Zahl-Formalismus“ ist Ausgangspunkt euklidischer, klassischer Geoemtrie.
Bei cohaerentischer Geoemtrie wird hinterfragt, ob diese Fokussierung auf Zahl und Zahlensystem tatsächlich naturgemäß oder notwendig ist? Oder ob sie nicht vielmehr eine willkürliche (künstliche) Beschränkung/
Eischränkung darstellt?
Das zentrale Motiv ist also:
Geometrie nicht auf Zahl und Maß zurückzuführen, sondern geometrische Relationen, Abhängigkeiten und Prozesse als primär zu sehen, und Zahl nur als abgeleitetes, sekundäres Abbild einer geometrischen Rechengröße. Vor dem Berechnen mit Zahlen sieht cohaerentische Geoemetrie ein ursprünglicheres konstruiertes Berechnen, mit rechegrößen, die promär keine Zahlen sind.
Aufheben, Ignorieren der methodischen Einschränkungen der klassischer Geometrie
In der klassischen Geometrie werden aus historischen und methodischen Gründen nur Konstruktionen erlaubt, die mit Zirkel und Lineal in endlich vielen Schritten realisierbar sind. Es domnieren die Kurven Kreis und Gerade. Diese künstlichen Einschränkungen führen dazu, dass viele elementaren Kurven (z. B. quadratische und kubische Parabeln, sowie andere Potenzkurven) oder Grenzprozesse (z. B. unendliche Konstruktionen) von vornherein als „nicht-legitim“ gelten — auch wenn sie geometrisch kohärent sind.
Ein Motiv von cohaerentischer Geometrie ist deshalb, diese benachteiligende Ungleichbehandlung bzw. methodische Engführung aufzuheben: Kurventypen und Konstruktionen, wie die Parabel, die bisher ausgeschlossen waren, werden als vollwertige geometrische Objekte anerkannt, sofern sie durch geometrisch sinnvolle Relationen und Prozesse definiert sind.
Integration von Grenzprozessen / Unendlichkeit als konstruktives Element
Viele klassische „Unmöglichkeitsbeweise“ (beispielsweise im Zusammenhang mit den antiken Problemen ,wie Winkeldritteln, Kreisquadratur, Würfelverdoppelung) beruhen auf dem algebraisch-arithmetischen Modell und dessen Einschränkungen. Die cohaerentische Geometrie sieht das „Unmöglich“ dieser Probleme nicht unbedingt als Aussage über Geometrie an sich — sondern als Folge der methodischen Beschränkungauf endliche Zahlensysteme und endliche Konstruktionen. Deshalb ist ein zentrales Motiv: Kein Ausschließen inhärenter Möglivhkeiten, wie konstruierter unendlicher, autokonvergenter Grenzprozesse, die geometrisch exakte Wege zur Konstruktion auch solcher Figuren oder Kurven sind, die historisch überliefert, als unkonstruierbar gelten.
Rückbesinnung auf Geometrie als anschauliche, prozesshafte Erkenntnisform
Der cohaerentische Ansatz möchte Geometrie nicht primär als abstraktes Zahlenspiel sehen, sondern als visuelle, räumliche, nachvollziehbare Erfahrung aus konstruierten Relationen und Prozessgeschehen. Damit verbunden ist auch ein pädagogisches bzw. erkenntnistheoretisches Motiv:
Geometrie soll lebendiger, intuitiver und „verständlicher“ gelehrt und gedacht werden, nicht als abstraktes algebraisches Konstrukt, sondern als etwas, das aus dem Raum, der Form und dem Prozess selbst erwächst.
Erweiterung des geometrischen Denkens — neue Möglichkeiten, altbekannte Probleme neu zu denken
Durch die Kombination der vorgenannten Punkte öffnet cohaerentische Geometrie den Blick auf geometrische Möglichkeiten, die in traditionellen Systemen verborgen oder ausgeschlossen sind, z. B. andere Kurventypen, neue Transformations- und Konstruktionsprinzipien, Konstruktionen über unendliche Prozesse usw. Damit will der cohaerentische Ansatz nicht — in erster Linie — eine Konkurrenz zur etablierten Mathematik sein, sondern mit einem alternatives Paradigma anregen, die alten Dogmen und die vermeintlichen Grenzen zu hinterfragen. Es strebt danach, Geometrie insgesamt weiterzudenken.
Wissenschaftlicher & konzeptioneller Status
Die cohaerentische Geometrie ist nicht Teil der standardmäßig anerkannten, peer-reviewten mathematischen Theorien — der Begriff taucht im etablierten Lehrbuch- und Forschungskanon nicht auf.
Der Ansatz ist demnach eher als konzeptueller / philosophischer Denkanstoß zu verstehen — als Vorschlag, Geometrie anders zu denken und mögliche methodische Einschränkungen zu hinterfragen. Daher sind die „Motive“ oft philosophisch oder methodisch, Beweise sind primär weniger formal-mathematisch, sondern mehr intrinsisch plausibel. Der cohaerentische Ansatz führt auch zu veränderten formalen Axiomen für Linie und Punkt und Kreis und Gerade.
Warum diese Motive relevant sind?
Bedeutung der Neuorientierung
Diese Beweggründe machen die cohaerentische Geometrie zu einem interessanten Denkprojekt, weil:
- sie die Begrenzungen der klassischen Geometrie reflektiert, und zeigt, wie viele Ausschlüsse (z. B. von Kurven, unendlichen Prozessen) historisch und methodisch motiviert sind, nicht unbedingt philosophisch oder geometrisch notwendig.
- sie ein alternatives Paradigma anbietet, in dem Geometrie nicht auf diskrete Maße und Zahlen fixiert ist — was insbesondere in Kontexten relevant sein kann, in denen Kontinuität, Prozess oder visuelle Anschaulichkeit eine größere Rolle spielen.
- sie kritisch gegenüber dem Dogma der endlichen Konstruktion und der Zahl als Fundament ist — und damit einen Schritt zurück zum ursprünglichen, anschaulichen, konstruktiven Geometrieverständnis wagt.
- sie Impulse gibt für neues geometrisches Denken, das offen ist für Formen, Kurven und Prozesse, die außerhalb des traditionellen Blickfelds liegen — mit möglichen Anwendungen, seien sie theoretisch, didaktisch oder philosophisch.
1.9.1.2 Grundprinzipien bzw. „Axiome“, denen die cohaerentische Geometrie folgt:
1.9.1.2.1. Fundament: geometrische Relationen statt "Zahl" als Primat "Motive"
In der cohaerentischen Geometrie bilden geometrische Relationen und Abhängigkeiten das Fundament. Nicht Länge als Zahl, Maß oder Koordinate. Zahlen, Maßzahlen oder Koordinaten sind nur abgeleitete Repräsentationen, nicht das konstruierende Prinzip.
1.9.1.2.2 Zulassung von unendlichen Grenzprozessen und autokonvergenten Konstruktionen
Im Unterschied zur klassischen, euklidischen Geometrie, bei der nur endliche Zirkel-und-Lineal-Konstruktionen erlaubt sind, gestattet die cohaerentische Geometrie unendliche Prozesse — soweit sie geometrisch kohärent und konvergent sind.
Jeder Zwischenschritt eines solchen Grenzprozesses gilt bereits als eine reproduzierbare "Teilrealisation“ einer exakten geometrischen Figur und als nicht bloße numerische Approximation.
Der eingeführte Begriff „Autokonvergenz“ bezeichnet einen Prozess, der ohne probierende bzw. korrigierende Schritte, sondern durch eine feste, gesetzmäßige Sequenz von Kreis- und Gerade-Objekten auf einen Grenzwert zustrebt.
1.9.1.2.3. Unbeschränkter Kurventypenkatalog:
Geoemtrie umfaßt nicht nur Kreis & Gerade, sondern auch andere Kurven
Anders als in der klassischen Geometrie, die nur Kreise und Geraden als „exakte“ Kurven ansieht, erkennt die cohaerentische Geometrie auch andere Kurventypen (z. B. Parabeln, Potenzkurven) als legitime geometrische Objekte an. Diese Kurven entstehen nicht als algebraische „Funktion + Zahl“, sondern als Spur eines geometrischen Prozesses, z. B. als konstruierte Punkte-Folge, die durch Kreis- und Geradeoperationen erzeugt werden.
1.9.1.2.4. Neue Definitionen von Punkt und Linie — als Kohärenzobjekte, nicht als Punktmengen
Die klassischen Definitionen werden bewusst hinterfragt:
Klassischer Punkt: Was leistet z. B. der euklidische Punkt, der keine Teile hat? Was die Mengenlehre ?
Cohaerentisch Punkt: Einer, der nun anders ist und trotzdem als Grundbaustein keine Ausdehnung hat?
Der cohaerentische Punkt ist Ergebnis eines Schnittes zweier Kurven und damit ohne eigene materielle Existenz; Er ist kein Baustein, der durch Aneinanderreihung "Langes" erzeugt.
Klassische Linie: Eine Linie = eine Menge von Punkten (Punkt → Menge → Linie → Fläche …).
Cohaerentische Linie: Eine Linie ist ein „Kohärenzobjekt“, entsteht aus dem Verhältnis zweier Medien, nicht durch Aneinanderreihung von Punkten; man denkt nicht in Punktmengen, sondern in Relation und Kontinuum.
So gesehen: Es gibt keinen Aufbau wie „Punkt → Linie → Fläche“ über abzählbare Punktmengen — stattdessen direkte Kohärenzobjekte und (eventuell unendliche) Prozesse.
(Mehr dazu im Abschnitt 1.9.)
1.9.1.2.5. Paradigmenwechsel: Geometrie als Prozess und Kontinuum statt diskreter Zahlstruktur
Ziel ist nicht eine diskrete, algebraisch-arithmetische Darstellung, sondern eine anschauliche, prozesshafte, kontinuierliche Geometrie.
Das, was in der klassischen Geometrie als „Unmöglichkeit“ für bestimmte Konstruktionen gilt (z.B. Winkeldritteln, Kreisquadratur, Würfelverdoppelung), wird hier nicht notwendigerweise als geometrisch unmöglich angesehen — sondern als unmöglich unter dem Zahl-Paradigma.
In der cohaerentischen Sicht sind solche Konstruktionen durch gut definierte unendliche, konvergente Grenzprozesse möglich, mit kohärenter geometrischer Struktur, nicht bloß numerischer Approximation.
Problematik / wissenschaftlicher Status
Der Begriff „cohaerentische Geometrie“ taucht nicht in der etablierten mathematischen Literatur auf. Es existieren keine peer-reviewten Publikationen oder formalen Axiomensysteme, wie sie z. B. bei euklidischer oder nichteuklidischer Geometrie Standard sind.
In dem Sinne handelt es sich um ein konzeptionelles / philosophisches Modell, nicht um eine anerkannte mathematische Theorie.
Die „Axiome“ sind teilweise eher Grundannahmen oder Prinzipien — nicht als formal-logisch abgeleitete Axiomensysteme mit Strukturtheorie formuliert, wie man es im modernen Mathe-Kanon gewohnt ist.
1.9.2. Zusammenfassung zu Motiven und Grundproinzipien
Die cohaerentische Geometrie basiert auf einem radikalen Paradigmenwechsel: Statt Zahl und diskreter Konstruktion steht geometrische Relation, Prozess und Kontinuität im Zentrum. Die „Axiome“ sind nicht klassische Axiome im streng formalen Sinn, sondern Grundprinzipien:
- Geometrische Relationen sind primär; Zahl ist abgeleitet.
- Unendliche, autokonvergente Grenzprozesse sind zulässig und legitim.
- Kurventypen über Kreis und Gerade hinaus sind ebenso gültig.
- Punkt und Linie werden neu definiert — als Kohärenzobjekte, nicht als Punktmengen.
- Geometrie wird verstanden als kontinuierlicher, prozesshafter Raum — nicht als diskrete Zahlengeometrie.
Wenn diese beiden wesentlichen willkürlich eingeführt Restriktionen ignoriert werden, entsteht eine neue Perspektive mit neuen Paradigmen und weiteren Verschiedenheiten, beispielsweis bei Linie und Punkt:
Cohaerentische Geometrie zeigt sich nicht als Sammlung fertiger Figuren, sondern als System von Kohärenzregeln, nach denen die gezeichneten Konstruktionen erzeugt werden.
Das führt zu:
- tieferem Verständnis von Kurven, Flächen, Kontinuität,
- besserer Einsicht in klassische Probleme (konstruierte Grundrechen- und höhere Rechenarten mit Anwendungen für mögliche Winkeldrittelung, Quadratur des Kreises, Verdopplung des Würfels),
- einer mehr anschaulichen und dynamisch prozeßhaften Geometrie, anstelle der klassichen Geometri, die im statischen Zusammenhang verharrt. Die heut verfügbare Dynamische Geometrie-Software (DGS) kommt hier mit ihren Darstellungsvermögen im Zugmodus der coharentischen Geometrie schon sehr nahe.
Cohaerentische Geometrie verletzt das formale Regelwerk Euklids, aber nicht seine konstruktive Denkweise. Die Ansätze zu einer cohaerentischen Geometrie gehen auf das Buch von S. Schleicher, „Cohaerentic“ (ISBN 97839820252-1-6) zurück und werden auf dieser web-Seite "www.cohaerentic.com" weiter entwickelt und in den Modulen
- Warum konstruiert berechnen?
- Grundrechenarten
- Höhere Rechenarten
- Konstruierte Urberechnungen
dargelegt.
1.9.3. Grundfragen der cohaerentischen Sicht
-
Sind arithmetisch-algebraische Voraussetzungen wirklich das unverzichtbare Fundament der Geometrie?
-
Oder verengen sie die Geometrie künstlich, willkürlich? Es werden Möglichkeiten ausgeschlossen, die geometrisch kohärent beschreibbar sind, aber nicht arithmetisch?
Die cohaerentische Geometrie geht davon aus, Geometrie ist mehr als Zahl — sie ist Relation, Prozess und auch Kontinuität.
Was sind geometrische Relationen?
Geometrische Relationen sind grundlegende Beziehungen zwischen Punkten z.B. y=x2, Kurvenlinien (bewegtes y=x2 ), aber auch Nähe, Richtung, Gestaltzusammenhang oder die Kohärenz eines fortlaufenden Prozesses. Diese Beziehungen existieren unabhängig von Zahlen. Eine Gerade bleibt eine Gerade und kann auch ohne Längenmaß eine geometrische (natürliche) Rechengröße sein. Eine Kreislinie bleibt eine Kreislinie, auch ohne Maßzahl für den Radius oder den Umfang. Von einem bewegten Punkt auf der Kreislinie gibt es eine Relation zu mindestens einem Punkt auf einer quadratischen oder kubischen Parabel. Die beschreibende Gleichung hierzu ist nicht das Primäre, sonder das aus der besagten Relation abgeleitet.
Solche Relationen bilden den eigentlichen inneren Zusammenhang einer Gestalt, einer Kurve. Sie zeigen, wie Punkte zueinander stehen und wie sich eine Form im Raum entwickelt. Zahlen können diese Beziehungen zwar beschreiben, doch sie erzeugen sie nicht. Deshalb sind geometrische Relationen grundlegender als jede arithmetische Erfassung: Sie machen die Form sichtbar, bevor irgendeine Zahl ins Spiel kommt.
In der cohaerentischen Sicht sind diese Relationen das Fundament der Geometrie. Die Zahl ist hier ein abgeleitetes Abbild — nicht das konstruierende Prinzip.
1.9.4. Warum die klassische Geometrie begrenzt ist?
„Die klassische Geometrie erbte aus der griechischen Tradition die Forderung nach endlichen Zirkel- und Lineal-Operationen. Mit dem Aufkommen der Algebra verschob sich der Fokus zusätzlich auf das Zahlensystem: Als geometrisch gültig galt fortan nur noch, was sich auf Zahlen zurückführen und innerhalb dieses Systems lösen ließ. Dadurch entstand eine methodische Reduktion, die Kreis und Gerade privilegiert. Kurven wie Parabel, Hyperbel oder kubische Kurven fielen aus der ‚Exaktheit‘ heraus — nicht aus Mangel an geometrischer Kohärenz, sondern aufgrund einer willkürlichen Ungleichbehandlung, die erst das einengende arithmetische Modell hervorbrachte.
So wird In der klassischen Geometrie verlangt, dass:
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geometrische Objekte durch diskrete Maße, Zahlen oder endliche Zirkel- und Lineal-Konstruktionen beschrieben werden,
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Resultate in endlich vielen Schritten exakt erzeugbar sind,
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keine unendlichen Prozesse und nicht alle abstrakten Kurven, außer Kreis und Gerade, als „legitime“ Konstruktion zugelassen sind.
Diese Anforderungen schließen von vornherein eine Ungleichbehandlung für die exakten Kurven Kreis und Gerade ein, deren geometrischen Entstehungsprozesse keine anderen sind als bei Parabel und Hyperbel usw. Ausgeschlossen wird Alles was nicht im Zahlensystem abgebildet oder in endlicher Schrittzahl realisiert werden kann. Selbst, wenn es geometrisch sinnvoll, kohärent und sogar autokohärent (ohne probierende Schritte) ist.
1.9.5. Was cohaerentische Geometrie tut, ist nicht Erweiterung, sondern Weglassen willkürlicher Einengnung
Die cohaerentische Geometrie fügt der klassischen Geometrie nichts Beliebiges hinzu — sie ignoriert vielmehr die künstlichen Beschränkungen:
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Sie akzeptiert unbegrenzte unendliche Konstruktionen — etwa autokonvergente (ohne probierende Schritte) Grenzprozesse, bei denen schon jedes Zwischenergebnis eine echte Teilrealisation einer exakten Punktekurve darstellt.
-
Sie erkennt alle nach gleichem Prinzip ezeugten elementaren Kurventypen — nicht nur die exakte Gerade und den exakten Kreis — als legitime geometrische Objekte.
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Sie sieht Zahl als abgeleitetes Abbild, nicht als Fundament: Geometrische Relationen und Prozesse sind primär.
In dieser Sichtweise ist die klassische Geometrie lediglich eine reduzierte Teilmenge einer viel umfassenderen Geometrie, welche nicht durch die Zahl definiert ist, sondern durch geometrische Kohärenz.
1.9.6. Konsequenzen des veränderten, unbeschränkten geometrischen Paradigmas
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Grenzprozesse: Konstruktionen können aus (potenziell) unendlich vielen Schritten bestehen. Jede Zwischenergebnis zählt — nicht als unvollkommene Näherung, sondern als echte Teilrealisation einer autokonvergenten Punktekurve, die dem Grenzpunkt-Schnittpunkt zustrebt.
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Quantisierung: Die Zahl als diskrete Darstellung eignet sich nicht für kontinuierliche geometrische Größen — eine Zahl kann niemals eine kontinuierliche Gestalt vollkommen erfassen.
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Unmöglichkeitsbeweise (z. B. wegen algebraischer Unlösbarkeit) verlieren ihre Allgemeingültigkeit: Sie gelten nur innerhalb des beschränkten Zahlmodells, nicht zwingend für geometrisch kohärente Konstruktionen.
Dadurch kann einiges „Unmögliche“ neu gedacht werden: Winkelteilungen, Kurvenkonstruktionen, Kreis‑ und Flächenprobleme — nicht als abstrakte Zahlrätsel, sondern als geometrische Prozesse.
1.9.7. Was die cohaerentische Geometrie leisten will
-
Geometrie als eigenständigen, lebendigen Erkenntnisweg aufzeigen und nicht bloß als Illustration arithmetischer Regeln. So wird gezeigt, die Aussage des Satz des Pytagoras ist allein aus geometrischer Kohärenz in einem Konstruktionsbild nachvollzieh- und einsehbar, da es hierzu keiner algebraischen Berechnung bedarf,
( https://www.cohaerentic.com/index.php/kreis/multi/summe-rechteck-von-2- rechtecken/summe-zweier-quadrate )
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Sichtbare, nachvollziehbare Konstruktionen, die durch ihre innere Struktur und ihre räumliche Kohärenz überzeugen — nicht durch algebraische Machbarkeit.
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Ein neues Paradigma, das Zahl und Algebra sekundär behandelt und geometrische Relationen und Prozesse als primär anerkennt.
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Eine Perspektive, die alte Probleme neu beleuchtet — nicht dogmatisch, sondern offen und erkenntniserweiternd.“
Die cohaerentische Geometrie erhebt nicht den Anspruch, ein abgeschlossenes System zu sein — sondern will zum Nachdenken und Weiterentwickeln anregen. Sie lädt ein, Geometrie als etwas zu begreifen, das jenseits der Zahl, auch jenseits der endlichen Konstruktion existiert — als Ort unendlicher, kohärenter Prozesse, die unsere klassische Sicht auf die Möglichkeit geometrischer Formen radikal erweitern können.
Glossar zur Einleitung
Klassische vs. cohaerentische Geometrie
Die nachfolgende Tabelle und alle nachfolgenden Darlegungen stellt etwas zusammenfassend dar, was vom Leser erst wirklich ganz verstanden werden kann, wenn er diese Arbeit zur cohaerentischen Geometrie vollständig durchgearbeitet hat. Die Tabelle und das nachfolgend Dargelete ist als eine einführende orientierende Verständnishilfe zu verstehen.
| Aspekt |
Klassisch: |
Cohaerentisch:
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Geometrische Grundlage
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Durch die Algebraisierung entsteht die analytische Geometrie mit diskreten Maßen und Koordinaten, die als Zahldarstellung erwartet werde.
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Fundament sind geometrische Relationen und Abhängigkeiten. Sie werden durch Schritt-für-Schritt-Prozesse beschrieben, nicht durch diskrete Zahlen, Maße oder Koordinaten als abgeleitete Größen.
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Unmöglichkeits-beweise
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Sie gelten im Rahmen der auf Gerade und Kreis-Kurven eingeschränkten klassischen Geometrie mit dem Kohärenz-Fundament Zahl.
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Sie gelten ohne Einschränkungen auf Gerade- und Kreiskurven Fundament sind geom. Relationen unnd Abhängigkeiten.
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Grenzprozess
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Ein Denken zu klassich konstruierten Grenzprozessen ist im klassischen Paradigma verboten, da es zu nur genäherten und danit falschen Ergebnissen führe.
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Unendliche Grenzprozesse sind integraler Teil
des geometrischen Zusammenhangs: Jedes Zwischenergebnis
ist bereits eine Teilrealisation, die autokonvergent auf den Grenzwert zuläuft.
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Autokonver-genz
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Begriff ist nicht gebräuchlich. Annähern erfolgt meist über Probieren, Korrigieren oder Näherungsverfahren. Die Exaktheit wird durch die Lösung algebraischer Gleichungen gewährleistet.
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Ein Prozess ist autokonvergent, wenn er von selbst, ohne probierende oder korrigierende Schritte exakt auf den Grenzwert bzw. Grenzpunkt zuläuft.
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Teilrealisation-
Gültigkeit
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Zwischenergebnisse eines Grenzprozesses gelten lediglich als blose „unvollkommene Approximation“.
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Jede Zwischenstufe ist eine eigenständige, reproduzierbare Teilrealisation einer ganzheitlichen geometrischen Realität.
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Problem geometrischen
Quantisierung
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Bleibt weithehend unbetrachtet
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Wird betrachtet. Die Einsicht zur unmöglichen Zahldarstellung einer kontinuierlichen Abbildgröße in endlichen Schritten, geht über Wantzels Unmöglich-Einsicht hinaus, ist allemeiner. |
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Paradigma
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Paradigma „Zahl" bestimmt das Grunlagendenken zu geometrischen Berechnungsaufgaben.
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Paradigma „Relation" bestimmt das Grunlagendenken zu geometrischen Berechnungsaufgaben. Zahl ist abgeleitet.
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| Winkeldrittelung und Prozesse |
Das Winkeldritteln mit Zirkel und Lineal gilt als „unmöglich“, weil nicht in endlich vielen Konstruktionsschritten das Ziel erreicht werden kann. Umgehungen mit Parabeln oder anderen Kurven werden als „fremde Hilfsmittel“ betrachtet und bleiben außerhalb des klassischen Paradigmas. |
|
1.9.8. Urteil der Fachwelt
Cohaerentische Geometrie wählt den Begriff "cohaerentisch" zur Abgrenzung. Er grenzt die cohaerentische Geometrie vor allem gegenüber der euklidischen Geometrie ab, die eine arithmetisch-algebraisch interperetierten Geometrie ist. Eine Kernmotivation für die angestrebten Paradigmenwechsel geht auch von den berühmten Unmöglichbeweisen aus, die zu den drei Problemaufgaben der Antike und ihren unzulässigen übergreifenden Verallgemeinerungen geführt werden. So wird von unmöglichen vollständigen Ergebnisdarstellungen unzulässig auf unmöglich konstruierte Erzeugungsprozesse abstrahiert. Das heute dazu gelehrte Wissen beschreiben die Hochschullehrerinnen Silke Hartlieb und Luise Unger mit folgender
"Leseprobe zum Kurs 01320 Algebra und ihre Anwendungen der Fakultät für Mathematik und Informatik der Fernuniversität Hagen (FernUni / Fakultät MI / Angewandte Mathematik / Studium und Lehre / Lehrveranstaltungen / Kurs 01320 Algebra und ihre An...)"
Im Kapitel 1 „Die klasssischen griechischen Konstruktionsprobleme“ ist zu lesen:
„Wir werden in dieser Kurseinheit zeigen, dass die klassischen griechischen Konstruktionsprobleme nicht lösbar sind. Mit anderen Worten, es gibt keine wie auch immer gestaltete Konstruktion mit Zirkel und Lineal, die einen Kreis quadriert, einen Würfel dem Volumen nach verdoppelt oder einen 60 -Winkel in drei gleiche Teile teilt. Solche Unmöglichkeitsbeweise sind für mathematische Laien nur schwer nachvollziehbar, und daher gibt es überraschend viele Leute, die einen Satzanfang der Form „Es ist nicht möglich,. . . “ als „Bis jetzt haben wir es noch nicht hingekriegt,. . . “ übersetzen. Es gibt also auch heute noch etliche Personen, die ihre vermeintlich geglückten Konstruktionen an mathematische Fachbereiche schicken, und dann sehr enttäuscht sind (oder sehr böse werden), wenn man ihnen mitteilt, dass man nicht gewillt sei, dies genauer anzusehen, da die Konstruktion sowieso falsch sein müsse."
Dieses gelehrte Wissen vermischt zwei Begriffe, setzt sie quasi gleich. In der geometrischen Realität ist aber der Größendarstellungsprozeß für ein Größenabbild "Zahl" nicht gleich dem des geomtrischen Erzeugungsprozesses für die geometrischen Ergebnisgröße "Winkeldrittel". Ein nicht abschließend Darstellenkönnen bedeutet nicht, dass es kein mit jedem Schritt weiteres Zustreben zum exakten, logisch nachvollziehbaren Grenzwert gibt. Hier sei noch daran erinnert, daß das Quantisierungsproblem mit prinzipiellem Quantisierungsfehler allgemeingültiger ist als der wantzel`sche Unmöglich-Beweis von 1837, der nur eingeschränkt für Drittelungsversuche des Winkels mit Gleichungen vom 3. Grad (kubische Parabel) zutrifft. Wantzel irrt als er glaubt, daß auch ein Winkeldritteln mit Parabel y=x2 unmögich sei. Daher betrachtet er es nicht. Mit cohaerentisches Winkeldritteln wird gezeigt, die sichtbare Grundlage geometrischer Zusammenhang ist nicht der einzelne Winkelzusammenhang sondern das ganzheitliche System von Winkeln im Halbkreis.
-
Euklid arbeitet konstruktiv-anschaulich (Zirkel & Lineal).
-
Die späteren modernen Unmöglichkeitsbeweise (z. B. Winkeldrittelung, Kreisquadratur) stammen aber aus der algebraisch-zahlentheoretischen Interpretation der Geometrie (Körpererweiterungen, Galois-Theorie).
-
Diese setzen die Zahlentheorie als „Grundlage“ der Geometrie voraus, was zwar formal sehr mächtig, aber für die Wirklichkeit des geometrischen Handelns (Konstruktionen, Prozesse, Visualität) nicht identisch mit der ursprünglichen euklidischen Praxis ist.
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Die „Unmöglich“-Urteile sind damit keine rein geometrische Realttät, sondern Aussagen über arithmetisch.algebraische Rechenstrukturen, die auf Geometrie projiziert werden.
Hier setzt die cohaerentische Geometrie an:
Sie sagt, geometrische Wirklichkeit ist nicht auf Zahlentheorie reduzierbar. Wird es gemacht, führt es zu Problemen:
- Arithmetisch-algebraisch interpretierte Geometrie sagt, für das unmögliche Winkeldritteln ist wichtig, daß Parabelpunkte y= x2 und y=x3 und insbesondere y=xN mit N >3 nicht für alle x konstruierbar sind und begründet dies auf der theoretischen Grundlage zu Zahlenkohärenzen.
- Cohaerentische Geometrie sagt hingegen, Parabelpunkte y=xN mit N= 2; 3; 4 ..... sind sehr wohl vom Prinzip her für alle gegebenen x jeweils mit endlichen Schritten konstruierbar. Dies wird mit keiner Theorie begründet, sondern mit entsprechenden sichtbar, logisch nachvollziehbaren Konstruktionen demonstriert. Diese kommt ohne Zuhlfenahme von Zahlen und der Zahlentheorie aus. Zu Einzelheiten siehe dazu auf Unterseite
2.2.1. Parabel https://www.cohaerentic.com/index.php/kreis/produktekte/param
und 3.1 Multi-Produkte "https://www.cohaerentic.com/index.php/hoer/multipro/mukrisu/mugre.
Was grenzt sich ab, wovon grenzt es sich ab?
Mit welchen Paradigmen wird sich abgegrenzt? Die heutigen Argumentationen und Erklärungen zu den grundlegenden geometrischen Zusammenhängen stützen sich seit Euklid immer mehr auf Einsichten zur Zahlentheorie. In diesem Rahmen wird zu respektablen Ergebnissen gelangt, was Mathematiker befriedigt, aber Lernende eher verwirrt als erhellt. Die Einsichten zu den formalen Unmöglichkeitssätzen zu den klassichen drei Aufgaben der Antike Winkeldritteln, Kreisfläche in ein flächengleichesQuadrat wandeln und Würfelvolumenverdoppeln sind nicht mit sichtbaren, nachvollziehbaren geometrischen Prozessen geführt.
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„Unmöglich“ in der klassischen Geometrie heißt somit nicht, dass die erwartete gesuchte Figur bzw. Größe selbst nicht existiert.
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Es heißt nur: In dem Zahlmodell, das wir benutzen, können wir sie nicht als Zahl konstruieren.
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Das tieferliegende Problem ist: Geometrische Figuren lassen sich nie vollständig in Zahlen einfangen – jede Zahl als diskretes Objekt ist nur eine Annäherung.
1.9.9. Konsequenz aus Quantifizierung
a) Zahl ist keine vollständige Beschreibung
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Eine Zahl ist nur ein Abbild, ein Symbol für eine diskrete Größe.
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Sie kann einen geometrischen Zusammenhang niemals vollständig erfassen, weil sie diskret ist, während die Figur bzw. die geometrische Größe kontinuierlich ist.
b) Was stattdessen zählt
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Entscheidend ist nicht allein das Ergebnis als Zahl, sondern der Erzeugungsprozess, der zur Ergebnisfigur /Ergebnisgröße führt.
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Der Erzeugungsprozess kann aus einer endlichen oder auch prinzipiell unendlichen Abfolge von sichtbaren, nachvollziehbaren Konstruktionsschritten mit Kreis und Gerade bestehen.
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Damit ist die Lösung in der Figur- bzw. Größenentstehung selbst verankert, nicht in der Zahl, die man ihr später zuschreibt.
c) Beispiel: Parabelpunkte y=xN mit N= 2; 3; 4; ... klassich konstruieren
- Klassisch: „Unmöglich, weil keine Zahl die Lösung oberhalb der Quadraturen (N>2) vollständig ausdrücken/darstellen könne.“
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Cohaerentisch: Möglich, weil die Lösungsgröße für N nach endlichen Wiederholzyklen zur wiederholten Multiplikation vollständig erzeugt und dargestellt ist.“ Beispiele für solche konstruierte Parabelpunkte y=xN mit N= 1; 2; 3; .... sind auf https://www.cohaerentic.com/index.php/hoer/multipro/mukrisu/mugre und im Buch S.Schleicher Cohaerentic ISBN S.200 demonstriert.
d) Beispiel: Winkeldritteln klassich konstruieren
- Klassisch: „Unmöglich, weil keine Zahl aus Quadraturen die Lösung vollständig ausdrücken könne.“
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Cohaerentisch:
a) „Möglich, weil Ergebnisgröße aus Quadraturen die Lösung vollständig ausdrücken kann und jeder Parabelpunkt y=xN mit N=2; 3; 4; .... durch endliche Wiederholsequenzen konstruierbar ist.“
b) „Möglich, weil ein exakter endlicher systematischer Prozess mit gegebener Parabel y=x2 und einer konstruierten Sequenz aus Kreis- und Geraden-Objekten das simultane dreifache Dritteln dreier aneinander grenzender Winkel im Halbkreis sichtbar und logisch nachvollziehbar erzeugt (Systemkohärenz). Der dafür prinzipiell erforderliche unendliche Erzeugungsprozeß versteckt sich in der hier gegebenen Parabel y=x2 . Die exakte Parabel ist hier, wie auch eine exakte Gerade, ein exakter Kreis usw. ein dargestelltes, eingefangenes Unendlich.
c) „Möglich mit einem exakten endlosen Prozess, der die Bewegung hin zu einer Winkeldrittel-Zielfigur realisiert und zwar mittels Wiederholseuquenzen aus endlich vielen Kreis- und Geraden-Objekten, so daß sichtbar und logisch nachvollziehbar tatsächlich dem exakten Grenzwert=Winkeldrittel zustrebt wird und keine blose Näherung stattfindet!
Die Einsichten zum "Unmöglich"sind innehalb des gedanklich gesteckten Rahmens der Zahlentheorie ohne Widersprüche, also für die Mathematik richtig. In Bezug zur Geometrie, die als ein Teil der erfahrbaren Realwelt betrachtet wird, weisen die besagte Einsichten zu einem verallgemeinerten "Unmöglich, erhebliche Widerspruch auf.
Wo grenzen sich die beiden unterschiedlichen Paradigmen voneinander ab?
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Ontologischer Ansätz:
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Zahlformalismus: „Zahl ist die Grundlage, Geometrie ist abgeleitet.“
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Cohaerentisch: „Relation ist die Grundlage, Zahl ist ein abgeleitetes Größenabbildmodell .“
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Wahrheitsbegriff:
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Zahlformalismus: „Unmöglichkeitssätze“ gelten absolut im Modell und werden oft wie allgemeingültige Aussagen über Geometrie formuliert, was verwirrt.
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Cohaerentisch: Dieselben Unmöglichkeitssätze werden als Rahmenaussagen gesehen, deren Geltung auf das dem Beweis zugrunde gelegten Zahl-Modell beschränkt ist und die geometrische Realität nicht ausreichend abbildet.
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Realitätsbezug:
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Zahlformalismus: nimmt stillschweigend an, das Zahlmodell bilde die reale Geometrie vollständig ab.
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Cohaerentische Geometrie macht explizit sichtbar, dass das Zahl-Modell nur eine Verengung ist, und rückt hier Geometrie wieder als Teil der erfahrbaren Realwelt in den Vordergrund.
Die zusammenfassende Argumentation zum Paradigmenkonflikt ist:
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Innerhalb der Zahlformalistik ist erkannte „Unmöglichkeit“ korrekt.
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Bezogen auf Geometrie als Realität ist dieses „Unmöglich“ aber falsch, weil es das falsche Paradigma verallgemeinert.
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Die cohaerentische Geometrie zeigt praktisch durch Konstruktionen, unter anderem auch zu Parabelpunkten y=xN, dass der Widerspruch zum Unmöglich nicht bei der Geometrie liegt, sondern bei der Verkürzung durch das Zahl-Modell.
Entwicklung im historischen Zeitverlauf:
Die ELEMENTE von Euklis (ca 330 v.u.Z) lehren endliche Konstruktionen, da erwartet wird, daß unendliche Konstruktionen blose Näherungen liefern, nichts Exaktes, was in endlichen Schritten vollständige dargestellt werden kann. Euklidische Geometrie lehrt geometrisches und arithmetisch-algebraisches Wissen zu den Grundbeziehungen, die mit endlich vielen Schritten umzusetzen sind. Die cohaerentische Geometrie konzentriert sich auf die Grundbeziehungen eines konstruierten niederen bis höheren Rechnens und lehrt dazu geomerisches Wissen. Was unterschwellig bei euklidischer Geometrie bleibt, ist das Gefühl, die Einsicht, daß mit der Beschränkung auf endliche viele Schritte der allgemeine Prozeß des Entwickelns unterbrochen und abgeschnitten wird. Ein Weiterdenken zu geometrisch konstruierten Multiprozessen und Grenzprozesse höherer Rechenarten fand und findet nur in der mathematischen Welt der Zahlen statt. Die Vorstellung von durchgängig rein geometrisch konstruierten Erzeugungsprozessen für das Kreisverhältnis π = Kreisumfang / Durchmesser fehlt. Sie sind aber als konstruierte unendlichen Multipozesse und Grenzprozesse ohne Zahlen der Geometrie inhärent.
Hier setzt cohaerentische Geometrie ein. Sie überwindet die Erwartung der euklidischen Geometrie, daß eine darstellbare diskrete Zahl das Ergebnis sein soll. Nun wird ein darstellbarer nachvollziehbarer Weg geometrischer Zusammenhänge als Ergebnis gesucht, ohne daß dafür Zahlen benötigt werden. Die Einsicht "ohne Zahlen" ist für die Grundlagen wichtig, bedeutet aber nicht, daß damit die Bedeutung und der Wert der Zahlen geschmälert wird. Cohaerentische Geometrie erkennt, die euklidische Beschränkung auf endliche Schritte ist nur ein Teil der natürliche Realität und nicht der Weisheit letzter Schluß. Cohaerentische Geometrie überwindet die euklidische Einsicht zur Anzahlbeschränkung der Schritte bzw. konstruierten Objekte. Überwunden wird die Grundannahme von der Priortät der Zahlen, der Zahlenkohärenzen und der daraus abgeleiteten Geometrie.
Kernpunkte:
- Euklidische Geometrie, wie sie in den ELEMENTEN systematisch angelegt wurde, hat eine klare Regel. Nur endliche Konstruktionen gelten als zulässig. Damit lässt sich ein sehr mächtiges, in sich geschlossenes Gebäude errichten. Dieses ist aber bewusst abgeschnitten von der Vorstellung rein geometrischer Berechnungsgrundlagen und von konstruierten unendlichen Prozessen ohne Zahlen.
- Eine cohaerentische Geometrie verschiebt den Blick: Nicht mehr allein das exakte Endresultat in endlich vielen Schritten ist das Ziel, sondern auch konstruierte Punktefolgen mit anschaulich nachvollziehbarem Weg. Solche bei denen sich das Netz von Zusammenhängen, im Zeichnen, im Wiederholen und im Grenzverhalten offenbart.
- Klassische Geometrie schränkt den Katalog möglichen Kurven, welche die geoemtrischen Zusammenhänge beschreiben, bewußt auf Gerade und Kreis ein. Andere Kurven werden als Erweiterung gesehen. Cohaerentische Geometrie mach das nicht, sie sieht die euklische Perspektive als Einschränkung, da die Kurvenerzeugung nach gleichen prinzipiellen Vorgehen geschehe. Wesentliche Merkmale euklidische und coharentische Geometrie im Vergleich
| Aspekte |
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Cohaerentisch |
| Beweisform |
Schrittweiser, synthetischer Aufbau mit Flächenzerlegung |
Aussage und Beweis im selben Bild, ohne separate Schritte |
| Methodik |
Speziell für einzelne Sätze (z. B. Pythagoras) |
Modular erweiterbar auf viele Sachverhalte (Mul, Div, Winkel…) |
| Zielsetzung |
Strenge, formalisierte Geometrie |
Visuelle Verständlichkeit, intuitive Einsicht |
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Die radikale Konsequenz daraus ist:
- Während die euklidische Tradition ein „Scheitern“ endlicher Lösungskonstruktionen zu den leicht verständlichen drei Aufgaben der Antike eine Grenze des Möglichen sieht, deutet die cohaerentische Geometrie dieselben Sachverhalte als Einsicht in eine unendliche, aber Schritt um Schritt nachvollziehbare Entfaltung geometrischer Ordnung.
- Cohaerentische Geometrie erkennt die Endlichkeitsbeschränkung als eine mögliche Konvention, aber nicht als der Weisheit letzter Schluss.
- Cohaerentische Geometrie integriert die unendlichen Prozesse als legitimen Teil der geometrischen Realität und gewinnt dadurch bessere Einsichten, als mit der bislang gelehrten „Unmöglichkeit“.
Die cohaerentische Sicht öffnet ein anderes Paradigma:
Euklidische Geometrie: Exaktheit = Endlichkeit.
Cohaerentische Geometrie: Exaktheit = Nachvollziehbare, anschauliche Struktur, die wegen der Raumeigenschaft Kontinuität bis zum Grenzfall fortgedacht werden kann. Es gibt hier keinen Widerspruch. Die cohaerentische Geometrie steckt den Rahmen weiter. Sie akzeptiert die euklidische Sicht als bewußt eingeschränkte Betrachtungsmöglichkeit, als einen „Sonderfall mit Endlichkeitsdogma“
Die cohaerentische Geometrie ist ein neuer Zugang zu elementarer Geometrie
Hier ist das Fundament nicht das Zahlensystem, sondern die unmittelbare geometrische Kohärenz, das anschaulich erfahrbare, stetige Zusammenwirken der Grundkurven Kreis und Gerade. Dabei wird die beschränkende Tradition der euklidischen Geometrie auf endliche Schritte überwunden. Die Beschränkung auf Kreis- und Gerade-Objekte wird nicht verworfen, es wird bei diesen beiden zentralen Kurvenobjekten verblieben. So werden neue Bedeutungen und neue Konstruktionen möglich. Es wird die Einbeziehung von DGS (Dynamischer Geoemtrie-Software) möglich, was z.B. das cohaerentische Konstruieren eines Parabelpunktes y=x2 und seiner Parabelspurkurve im DSG-Zugmodus ermöglicht. Anstelle von abstrakten Definitionen wie „Punkt ohne Ausdehnung“ und „breitenlose Linien“ untersucht die cohaerentische Geometrie nachvollziehbare, endliche Konstruktionsprozesse und deren Grenzfälle. Jeder Schritt dieser Grenzprozesse liefert ein exaktes Zwischenergebnis, das im Vor-Grenzfall die ausreichend exakte Lösung darstellt. Diese Grenzprozesse erzeugen mit Kaskaden von Autokonvergenz keine bloße Näherung. Im Mittelpunkt steht nicht das Abzählen diskreter Punkte, sondern das Erkennen und Konstruieren von Formen aus kontinuierlichen, kohärenten Symmetrie- und Erhalt- Zusammenhängen. Punkt und Linie werden auf Grundlage real erfahrbarer geometrischer Phänomene präzisierend neu definiert. So wird das klassische Paradoxon euklidischer Geometrie vermieden, dass das „Nichts eines Punktes“ eine Linie ausfüllen soll.
Nähe zur Realität
Die cohaerentischen Konstruktionen sind näher und stärker an der realen Welt dran, als die der klassischen euklidischen Geometrie. Viele Formen und Prozesse der realen Welt sind tatsächlich kontinuierlich und nicht diskontinuierlich und nicht endlich abgeschlossen. In der Natur und Technik begegnen uns oft Kurven und Formen, die durch Grenzprozesse modelliert und beschrieben werden können. Viele cohaerentische Konstruktionspläne umfassen daher endlos viele Anweisungen, was mit Wiederholsequenzen erreicht werden kann. Viele diese cohaerentischen endlosen Grenzprozesse streben als Autokohärenzkaskade mit sichtbar nachverfolgbaren, sich wiederholenden Kreis- und Gerade-Objektsequenzen gesetzmäßig, ohne probierende Schritte, einem sinnvollen exakten Grenzpunkt zu.
Zusammenfassung zum Grundunterschied:
Im Allgemeinen lassen sich die cohaerentischen Konstruktionen durchaus als Weiterdenken der euklidischen Geometrie verstehen. Sie verlassen zwar bei der Begrenzung der Schritte das Regelwerk der klassischen euklidischen Geometrie, bleiben aber dem Geist des Konstruierens und Sichtbarmachens treu.
Didaktischer Aspekt:
Cohaerentische Geometrie ist ein möglicher Weg, um Geometrie tiefer, lebendiger und prozesshafter zu lehren und zu verstehen. Cohaerentische Geometrie ist ein Weiterdenken statt eines Widerspruchdenkens. Sie ist kein Bruch, sondern eine Erweiterung: Sie respektiert das Prinzip der Konstruktion mit den Grundkurven Kreis und Gerade, ergänzt es aber durch sichtbare Einbeziehung auch nicht endlich konstruierbarer Probleme. Sie eröffnet einen Weg, um Unmögliches (im klassischen Sinn) auf neue Weise begreifbar zu machen. Sie überschreitet das formale Regelwerk Euklids, aber nicht seine konstruktive Denkweise.